Lesen Sie hier, wie es zur Entstehung des Feuerwesens in Waigolshausen kam, begonnen ab 1641. Lernen Sie die Top 6 Gründe kennen, sich keinen Blitzableiter zuzulegen.

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1641 - Erste Ausgaben für Feuerwehrgerät

In der erhaltenen Gemeinderechnung dieses Jahres begegnet man zum ersten Mal einer Ausgabe von 1 Gulden, 1 Batzen und 18 Pfennig, welche die sogenannten "Rußbesichtiger" anlässlich der vorgenommenen Feuerschau erhalten haben.

1659 - Strafe aufgrund eines Brandes

zahlt ein gewisser Bätz 1 1/2 Gulden Strafe an die Gemeinde, "weil sein Flachs in der Stube zu brennen angefangen."

1682 - leidige Dubackrauchen

In der Dorfordnung ist unter anderem auch über das "leidige Dubackrauchen" zum Schutz gegen Feuersbrünste geboten:

„Bei 1 Gulden Straf darf niemand auf Gassen, in Scheunen, Hof, Mist, Ställen und Orten, wo Stroh ist, rauchen.“

In derselben Dorfordnung finden wir auch die sogenannte Feuer‑Ordnung, die uns gute Rückschlüsse auf das Löschwesen unserer Urahnen erlaubt:

"Fewer Ordnung"

... Soviel Nachbahrn, soviel ledere Feuer‑Eymer sollen vorhanden, und unterm Rath‑ oder Gemeindthaus unverschlossen ahn ein oder mehr Stangen also uffgehangen sein, daß sie in der Noth ohne Leitheranrichtung abgeworfen werden können.

... Zwey taugliche Fewerhacken, so miteinander am Rath‑ oder Gemeindthaus gleichfalls unverschlossen verwahrt werden sollen.

Wan, daß doch Gott gnädiglich verhüten wolle, im Dorf Feuersbrunst entstehen thette, soll Schultheiß und Dorfmeister alle Mannspersohnen, so zum Arbeiten tauglich, durch Glockensturm antreiben lassen; da sich alsdan einer versetzlich enteussern wollte, so selbiger dem Befinden nach, mit 10 oder mehr Gülden Straf Gnädigster Herrschaft verfallen sein.

Wan, daß Gott gleichsamb verhüette, in benachbarten Dorfschaften, auf eine oder zwo Stundtwegs Feuersbrunst aufgehen, und davon Nachricht einkommen thete, soll alsobald durch ein Glockenzeichen die Nachbahrschaft zusammen berufen, und alsdan von dem Schultheißen oder Dorfsmeister, wererst beyhanden, nottdürftige junge gerade Mannschaft mit benöthigtem Feuerzeug eylichst zur Hülff geschickt, auch zur Forthbringung der Leithern und Hacken die erste Fuhr, so beyzubringen, genohmen werden, und welchen solchenfalls das gebott ergreift und nit Gehorsam leistet und sich darvon enteussert, der soll gleichfals in herrschaftlicher hartter Straff stehen, auch sollen die Dienstbotten darvon nit befreyet sein.

 Würdte aber in der Nachbahrschaft ein solcher Rauch und Dampf gesehen, da. nit äugentlich abzunehmen, ob das Feuer im Dorf, gehöltzt oder Veldt uffging, solchenfals soll der Feuerlaufer, deren jderzeith zweiy bestellet sein sollen, ohne Verzug umb Erkündigung auslaufen und Nachricht einbringen...“

1701 - Großes Feuer

Unter dem Datum 31. Mai findet sich in der Pfarrmatrikel folgender lateinischer Eintrag (Übersetzung):

Um 10 Uhr abends ist zu Weigoltzhausen ein so großes Feuer ausgebrochen, dass 14 Wohnhäuser und 11 Scheunen eingeäschert worden sind. Auch ein Einwohner namens Joes Neubert wurde durch Feuer so schwer verletzt, dass er am 1. Juni wohlversehen mit den heiligen Sterbesakramenten im Alter von 46 Jahren verschieden ist.

Der Gemeinderechnung zufolge war diese Brandkatastrophe eine willkommene Gelegenheit zu einem "gemeinen Suff", denn der innere Brand der Löschmannschaft wurde mit "3 Eimer und 24 Maß Wein" zu etwa 6 1/2 Gulden gelöscht.

Jeder neu aufgenommene oder jungverheiratete Ortsbürger musste ebenso wie der alteingesessene im Besitz eines ledernen Feuerlöscheimers sein. Im Brandfalle wurden durch die Löschpflichtigen Ketten gebildet und die mit Wasser (notfalls mit Jauche) gefüllten Eimer von Hand zu Hand weitergereicht und in die Flammen geschüttet. Kein Wunder, dass nach getaner Arbeit der Durst groß war, der dann auf Gemeindekosten gelöscht werden musste...

1818 - Anschaffung einer Feuerspritze

Am 30. Juni diesen Jahres wurde mit Spenglermeister Johann Simon Spüth aus Schweinfurt ein Vertrag über die Lieferung einer tragbaren Feuerspritze abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde seitens der Gemeinde von den Herren Georg Trescher (Schultheiß), Sebastian Stark und Kilian Strobel unterschrieben. Die Feuerspritze kostete der Gemeinde damals 285 Gulden.

1821 - Keine Blitzableiter für den Kirchturm

Von der Regierung war anlässlich eines Hagelschlages an die Gemeinde Waigolshausen die Anordnung ergangen, auf die Kirche einen Blitzableiter setzen zu lassen. Die Gemeinde trägt bekanntlich die Baulast des Kirchturmes. Die Gemeindeverwaltung fasste jedoch den Beschluss, dass aus folgenden Gründen davon abgesehen werden solle:

„1. Kein Geld in der Kasse, alles ackert im letzten Loche.

2. Die Gemeinde hat 8624 Gulden Schulden im Nacken.

3. Der Blitz hat hier noch nie eingeschlagen.

4. Warum sollte man einen Blitzableiter auf ein unbewohntes Gebäude setzen lassen ?!

 5. Ein Blitzableiter gewährt auch keine Sicherheit. Auch sei die öffentliche Meinung dagegen: Wenn man einen Blitzableiter setze, dann schlage der Blitz erst recht ein.

 6. Die Bleikanten des Kirchturmes schließlich seien schon Blitzableiter genug.“
 

1851 - Brandstiftung

Am Sonntag vor Weihnachten, den 20 Dezember brannten zwei Scheunen nieder Haus Nr. 47 und 48 (Eugen Voit und Karl Chalupka). Bei heftigem Sturmwind ergoss sich der Funkenregen in Richtung Kirche, sodass auch für diese unmittelbare Feuersgefahr bestand. Der damalige Pfarrer Dr. F. Heim hatte bereits das Allerheiligste in Sicherheit gebracht. Am Neujahrstag 1852 begann er seine Predigt mit den Worten: "Zweimal kam Feuer aus, seit ich hier bin; das erste Mal durch menschliche Dummheit, das andere Mal durch teuflische Bosheit ... !"

Er spielte mit letzterer Bemerkung auf die Entstehung des Unheiles an, nämlich der Besitzer selbst, Konrad Pfeuffer, legte den Brand.